Kratzer und Steinschlag im Lack entfernen: Eine Anleitung für die Reparatur am Auto ohne teure Werkstatt

Kratzer und Steinschlag im Lack entfernen: Eine Anleitung für die Reparatur am Auto ohne teure Werkstatt

20. Mai 2019

Um das von vornherein einmal klarzustellen, Kratzer optimal zu beseitigen, geht nur mit mindestens einer Teillackierung. Möglicherweise sind Arbeiten der sogenannten „Lack-Repair-Shops“ auch ordentlich, wobei hier nur die beschädigte Stelle lackiert wird. Naja, jedenfalls wollten wir auch einmal probieren, einen Kratzer im Lack zu entfernen.

Dieser Kratzer, von dem wir bis heute nicht wissen, wie er in den Lack kam, ging uns beim Anschauen des Autos schwer auf den Geist. Jedenfalls besorgten wir uns den passenden Lack, allerdings nicht angemischt mit Härter. Das hat den Vorteil, dass sich kaum flüchtige Stoffe im Lack befinden und somit die ausgestrichene Stelle nicht erwähnenswert „einsackt“. Allerdings besteht ein Nachteil bei Lack ohne Härter: Der Kram braucht sehr lange Zeit bis er halbwegs aushärtet.

Einen ordentlichen Pinsel hatten wir in unserer Werkstatt auch nicht. Es gibt sicherlich bessere Pinsel als unsere alten Dinger, jedoch ist es wichtig, dass die Pinselhaare gleichlang, weich und sehr schmal sind. Damit füllten wir den Kratzer bzw. die Schramme langsam und vorsichtig auf. Wir zogen den Kratzer mit dem Lack nach, also ähnlich wie mit einem „Lackstift“, den es für Smart-Repair-Methoden im Baumarkt gibt.

Nach dem Auffüllen sah die Stelle im Lack so aus:




Danach haben wir zwei Tage gewartet. Anschließend, wie Ihr auf dem nächsten Bild sehen könnt, haben wir die Stelle grob abgeklebt und einen Eimer mit warmem Wasser geholt. Außerdem braucht man noch Seife und 1200‘er Naßschleifpapier. Ihr könnt auch noch feineres Schleifpapier verwenden, beispielsweise 1500’er Naßschleifpapier. Auf gar keinen Fall dürft Ihr gröberes Schleifpapier benutzen!

Mehr oder weniger gut abgeklebt:



Auf diesem Bild könnt Ihr den Kratzer gut erkennen:


Nun bauen wir uns ein „Schleifgerät“. Um die Stelle im Lack ordentlich bearbeiten zu können, brauchen wir ein konisches „Schleifklötzchen“, denn wie Ihr sehen könnt, behindert das obere Abschlußblech das weitere Arbeiten. Dieses Holz ist ein einfacher Keil aus dem Baumarkt. Ihr dürft keinesfalls mit den Fingern schleifen, denn dann kann es leicht passieren, dass der alte Lack bis auf die Grundierung durchgeschliffen wird.

Ein Holzkeil aus dem Baumarkt:


Im nächsten Schritt reißen wir ein passendes Stück aus dem Schleifpapier und legen es sanft um unseren Holzkeil. Das Hölzchen mit Schleifpapier wird dann in das warme Wasser getaucht und das Schleifpapier ordentlich mit der Seife eingerieben. Nun müßt Ihr möglichst im rechten Winkel von links nach rechts über den Kratzer schleifen. Achtet darauf, dass das „Schleifgerät“ immer naß ist, also immer wieder ins Wasser eintauchen und stets neu mit Seife einreiben.

Holzkeil mit Schleifpapier und Seife:



Die zu reparierende Lackstelle wird, nachdem sie halbwegs runtergeschliffen wurde, immer matter. Sobald dieser Effekt zu erkennen ist, könnt Ihr auch vorsichtig quer zum Kratzer schleifen. Nur ganz minimalen Druck ausüben! Zusätzlich könnt Ihr zwischendurch immer wieder mit einem sauberen, weichen Tuch die Stelle abreiben.

Zum Verständnis: Ihr schleift nicht den alten Lack weg, sondern Ihr schleift den Lack weg, den Ihr vor knapp zwei Tagen mit dem Pinsel neu auf den Kratzer aufgetragen habt! Wenn man den aufgetragenen Lack bis auf die Höhe des alten Lackes abgeschliffen hat, sieht man unter Umständen auch klitzekleine Stellen, an denen beim Pinselauftrag doch kein Lack aufgepinselt wurde. Bei uns war das so, aber wir können mit dieser Methode leben. Doch uns war klar, dass wir halt doch einen besseren Pinsel hätten besorgen sollen.

Als wir mit der Abschleiferei zufrieden waren, haben wir die Stelle mit Wasser abgewaschen und abgetrocknet. Am nächsten Tag sah man dann verständlicherweise, dass um die beschädigte Stelle der Lack recht „vernebelt“ (matt) war. Das ist damit erklärbar, dass durch das Schleifen auch die Umgebung des Kratzers in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Lackoberfläche ist hier beschädigt und läßt sich mit einem Schotterweg vergleichen. Um die Oberfläche wieder glänzend zu bekommen, muß man die Oberfläche dieser „Schottersteine“ abschleifen. Das geht mit einer etwas gröberen Politur oder mit Lackreiniger. Laßt Euch notfalls beraten, wir benutzen die Glasurit Feinpolierpaste. Mit der Feinpolierpaste solltet Ihr nun mit einem Mikrofasertuch die „Nebelstellen“ hochpolieren. Aber denkt daran, keinesfalls die neu lackierte Stelle des Kratzers zu polieren!

Glasurit Feinpolierpaste:



Nach zwei Tagen müssen wir die reparierte Stelle noch mit Wachs behandeln. Das ist sehr wichtig, um die nunmehr offenen Lackstellen wieder zu versiegeln. Jedenfalls sah die reparierte Stelle nach unserer Behandlung so aus:



Schlußendlich geben wir zu, dass es sich bei dieser Art der „Reparatur“ um keine optimale Lackreparatur handelt. Aber da es nicht ausbleibt, dass man an der Fahrzeugfront oder an anderen Stellen immer wieder mit Steinschlägen oder ähnlichen Kratzern zu tun hat, ist diese Ausbesserungsart eine Alternative.



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